Acht Gamer/Office-Mäuse im Vergleich


Erschienen: 26.12.2005, Autor: Jochen Schembera
Razer Copperhead

Kommen wir nun zu einem weiteren Gaming-Kandidaten des heutigen Tests. Mit 69,99 Euro liegt die Copperhead im für Mäuse hochpreisigen Bereich. Ob diese Summe gerechtfertigt ist und sich die Anschaffung lohnt, wird unser Test zeigen. Der Vertrieb war so freundlich, uns neben der Copperhead auch das entsprechende Maus-Pad zur Verfügung zu stellen. Dabei handelt es sich um das Mantis Soft-Pad, das aus Gummi und einem Stoffbezug aus Everglides Fibertek besteht. Ob das Pad die Performance der Maus tatsächlich steigert oder ob auch ein beliebiges anderes Pad seinen Zweck erfüllt, wird unser Test klären. Doch dazu später mehr. Zunächst wollen wir uns den Lieferumfang ansehen.

Lieferumfang
  • Razer Copperhead-Maus
  • Treiber-CD
  • Dokumentation
  • Echtheitszertifikat
Nimmt man die Maus aus der Verpackung, fällt sofort auf, dass es sich im Aufbau um ein eher klassisches Exemplar handelt. Die Formgebung ist symmetrisch und entspricht der, wie man sie bereits von den Diamondback- und Viper-Serien kennt. Bei den Gaming-Mäusen stellen die konventionellen Varianten ohnehin nach wie vor einen großen Teil – und das mit gutem Grund. Schließlich gibt es viele Linkshänder und diese können mit einer ergonomischen Rechtshänder-Maus wenig anfangen. Zudem stellt man in Spielen immer wieder fest, dass die kleineren, leichten Mäuse mit eher konventioneller Form oft besser geeignet sind als deren ergonomische Pendants. Die Copperhead richtet sich somit also an eine möglichst breite Zielgruppe.

Die beiden Haupttasten der Maus haben jeweils eine Kuhle, in denen die Finger bequem platziert werden können. Sie funktionieren sehr gut und arbeiten schön definiert. Gleiches gilt für das Rad – jede Raststufe sitzt sauber. Die Scrollfunktion arbeitet ebenfalls einwandfrei. Freude macht das Rad als dritte Haupttaste, denn der Klick kommt ohne Verzögerung und vermittelt ein angenehmes Tastengefühl. Als mittlerweile Razer-typisch kann man den umlaufenden Gummiring bezeichnen, der ein zuverlässiges Mittel gegen das Abrutschen der Finger darstellen soll. Das ist zunächst gewöhnungsbedürftig, denn dadurch wird der Umfang der Maus natürlich dicker. Es sind denn auch in der Tat mehrere Tage Eingewöhnungszeit nötig, bis man damit zu Recht kommt. Dann wird man allerdings feststellen, dass der Gummiring die Finger genau an den richtigen Stellen unterstützt. Die Griffleiste ist ohnehin etwas ausladender als bei der Diamondback oder Viper ausgefallen.

An beiden Seiten sitzen je zwei Tasten, die natürlich mit dem Daumen am Besten zu erreichen sind. Insofern muss man als Links- bzw. Rechtshänder damit leben, dass die gegenüberliegenden Tasten schwieriger zu bedienen sind. Somit kann man von den sieben Tasten, die die Maus bietet, nur fünf effektiv während des Spielens nutzen. Dies ist aber ein Tribut an die symmetrische Formgebung der Maus. Ohnehin bietet es sich an, diese Tasten entweder mit der dpi-Regelung oder mit der on-the-fly-sensivity-Funktion zu belegen. Die Daumentasten können am ehesten mit der Daumenspitze bedient werden, denn wenn man die Hand weiter hinten auf der Maus platziert, erreicht man die Tasten nur so. Das ist anfänglich allerdings nicht ganz einfach, denn die Unterschale der Maus ist im Gegensatz zur Oberschale stark tailliert, so dass die Tasten relativ weit innen sitzen. Verschärft wird dieser Effekt durch den breiten Gummiring, so dass man sich bei der Bedienung dieser Tasten gegenüber bisherigen Modellen umgewöhnen muss. Interessant ist jedoch, dass man, sobald der Gewöhnungseffekt eingetreten ist, wiederum feststellt, dass die Anordnung dieser Tasten genau an der richtigen Stelle erfolgt ist. Einen Kritikpunkt gibt es dennoch: Die Daumentasten sind gegenüber der Unterschale kaum abgesetzt. Man muss sie buchstäblich erfühlen. Das bedarf einiger Gewöhnung, so dass der Hersteller hier besser beraten gewesen wäre, wenn er die Tasten nicht so weit versenkt und mit einem etwas definierteren Druckpunkt versehen hätte.

Die technischen Eigenschaften der Copperhead können wie bei ihren Vorgängermodellen überzeugen. Es ist ein 2000 dpi-Sensor an Bord, der ein sehr schnelles Spielen und zugleich präzises Arbeiten ermöglicht. V.a. in Spielen ist dies deutlich zu merken, denn manchmal dreht man sich ungewollt so schnell, dass man die Orientierung verliert. Hier muss man also experimentieren, mit welcher Auflösung man am Besten zu Recht kommt. Zur Auswahl stehen 400, 800, 1600 und 2000 dpi, die sich individuell in die jeweiligen Profile einbinden lassen. Darüber hinaus ist die sog. Polling Rate, also die Abtastrate, einstellbar – dies ermöglicht es, die Reaktionsgeschwindigkeit der Maus zu justieren. Dazu ist allerdings ein Neustart nötig. Auch hier muss man probieren, welche Einstellung einem am ehesten zusagt. Natürlich lassen sich weitere Features über den Treiber konfigurieren, auf den wir aber weiter unten eingehen wollen. Wie auch das Pendant von Microsoft verwendet die Copperhead ein sehr dünnes Anschlusskabel. Diese Flexibilität ist recht angenehm, denn ein dickeres Kabel wirkt im Betrieb oft eher störend. Insgesamt ist die Verarbeitung der Copperhead sehr hochwertig und ohne Mängel wie etwa scharfe Kanten oder dergleichen. Allerdings kann man das in dieser Preisklasse auch erwarten.

Eine Besonderheit der Copperhead stellt ohne Zweifel der 32 kb große Onboard-Speicher dar. Mit ihm ist es möglich, sog. Presets abzuspeichern, also vorkonfigurierte Tastenzuweisungen. Die Presets stehen damit auch ohne die vorherige Installation eines Treibers zur Verfügung. Somit ist die Maus also auch dann in der gewohnten Weise betriebsbereit, wenn man sie mitnimmt und an einen Fremdrechner anschließt, etwa auf einer LAN. Der Onboard-Speicher erlaubt die Speicherung von bis zu fünf frei wählbaren Presets. Diese werden in der Regel im Treiber umgestellt, können aber auch durch einen Druck auf den Knopf an der Unterseite der Copperhead abgerufen werden. Ein weiteres durchdachtes Feature stellt die Anzeige des aktuell gewählten Presets an der Maus selbst dar – das Razer-Logo auf der Oberseite und der umlaufende Gummigriff blinken je nach gewähltem Preset zwischen ein- und fünfmal. Diese Preset-Funktion wird seitens des Herstellers als Razer Synapse umschrieben. Dazu passt auch, dass das Logo selbst während des Betriebes beständig in einer langsamen Frequenz pulsiert. Das sieht gut aus und vermittelt dem Benutzer den Eindruck, die Copperhead habe einen Herzschlag – genau das hat der Hersteller vermutlich auch beabsichtigt. Ebenso dürfte die Möglichkeit des Firmware-Updates ein Novum darstellen – Razer verspricht sich davon, die Maus auch für künftige Hardwareanforderungen kompatibel zu machen. Zum Zeitpunkt unseres Artikels war die Firmware 6.17b aktuell. Das Flashen der Firmware selbst ist allerdings kein gänzlich unkomplizierter Vorgang, der auf der Website des Herstellers aber recht gut erklärt ist. Ob sich das Update als nötig erweist, bleibt abzuwarten. Schaden kann eine solche Funktion jedenfalls nicht.

Laut Hersteller soll es darüber hinaus möglich sein, die Maus mit Gewichten aufzurüsten und bestimmte Tasten gegen sog. ‚Tastendummys’, also einen Tastenersatz ohne Funktion, austauschen zu können. Dies soll Spielern die Möglichkeit geben, die Maus auf die individuellen Bedürfnisse zuzuschneiden. Allerdings war über das ‚Pro Tools’ genannte Zubehör nichts in Erfahrung zu bringen – weder auf der Homepage von Razer noch in einem der dort verlinkten Shops war es verzeichnet. Insofern müssen wir hier die Angaben zu Preis und Verfügbarkeit schuldig bleiben; man erfährt lediglich, dass man die Garantie verliert, sollte man der Copperhead mit den Pro Tools zu Leibe rücken.

In Spielen macht die Copperhead durchgehend eine sehr gute Figur. Die Bewegungsabläufe lassen sich präzise steuern und man kann sehr punktgenau zielen. In Call of Duty merkt man diesen Effekt positiv, denn auch weiter entfernte Gegner lassen sich ruckelfrei anvisieren. Die on-the-fly-sensivity läßt sich während des Spielens relativ gut bedienen, allerdings muss man sich wie erwähnt erst an die kaum erhabenen seitlichen Tasten gewöhnen, um diese Funktion effektiv einsetzen zu können. Uns ist leider aufgefallen, dass bei der Nutzung dieser Einstellungsmöglichkeit während des Spiels das Bild schlagartig dunkler wurde. Es schaltete dann auch nicht mehr auf die voreingestellten Helligkeitswerte zurück. Woran das lag, konnte nicht geklärt werden. Sollte das aber in allen Spielen der Fall sein, ist die on-the-fly-sensivity-Verstellung während des Spiels nur von bedingtem Nutzwert. Möglicherweise hilft hier ein Treiberupdate nach.

In Quake Arena waren wir mit der Maus ebenfalls sehr zufrieden. Man hat das Gefühl, einfach einen Tick besser zu spielen als mit einer herkömmlichen Maus. Ob das ein subjektiver Eindruck ist, sei dahingestellt. Objektiv ist es ohnehin ein sehr individuelle Sache, mit welcher Maus der jeweilige Spieler am Besten zu Recht kommt.

Zur Optik: Die Copperhead sieht extrem gut aus – das muss man neidlos zugeben. Die Oberseite der Maus und die Tasten kommen in matten Schwarztönen, das Gehäuse ist in Glanzschwarz lackiert. Rad, Razer-Logo und die Gummigriffleiste rund um die Maus sind im Betriebszustand je nach Variante andersfarbig beleuchtet. In unserem Falle handelt es sich um die Farbvariante ‚Chaos Green’, so dass die beleuchteten Partien in einem ungesunden Grünton leuchten. Mit dem unterlegten Mantis-Pad, das in einem passenden Grünton geliefert wird und mit dem Razer-Logo versehen ist, ergibt sich ein umwerfender Effekt, denn das Pad spiegelt sich in der hochglanzlackierten Gehäuseunterschale wieder.

Der Anschluss der Maus ist schnell erledigt. Anders als die Konkurrenz von Microsoft muss die Copperhead vor Installation der Treibersoftware an den Rechner angeschlossen werden. Mittels eines USB 2.0-Steckers, der sogar eine vergoldete Klinke besitzt, ist dies aber kein Problem. Anschließend wird die Treiber-Software installiert, so dass die Maus nach wenigen Minuten betriebsbereit ist. Bevor man mit der Copperhead durchstarten kann, muss die Software allerdings konfiguriert werden. Das ist auch nötig, denn in der Standardeinstellung von 2000 dpi und einer Polling Rate von 1 GHz ist sie natürlich viel zu schnell für den Desktop-Betrieb.

Insgesamt hinterlässt die Maus einen sehr runden Eindruck. Spielen und Arbeiten machen mit diesem Gerät einfach Spaß. Dennoch müssen die für unseren Geschmack etwas zu weit versenkten Daumentasten als Schönheitsfehler gelten, denn dadurch wird die Bedienung manchmal ein wenig ungenau, wenn die Hand nicht optimal positioniert auf der Maus liegt. Ein Vorschlag für die nächste Ausgabe der Copperhead wäre eine geringfügige Anhebung dieser Tasten, so dass man sie etwas besser fühlt.


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