(R)Evolution? Logitech MX Revolution Review


Erschienen: 04.09.2006, Autor: Jochen Schembera
Lieferumfang

Alles da: Der Lieferumfang beinhaltet alles Nötige

  • Logitech MX Revolution-Maus
  • Ladestation
  • Netzkabel
  • USB-Receiver
  • Treiber-CD (SetPoint 3.01)
  • Kurzdokumentation
Ausstattung

Die MX Revolution soll eine neue Ära der Computermäuse einläuten – so zumindest ist der Anspruch des Herstellers. Allerdings muss man hier differenzieren, denn nicht jede Maus ist für alle Bereiche gleichermaßen gut geeignet. Die MX Revolution stellt den Nachfolger der MX 1000 dar und diese war bekanntlich eher eine Maus für den Office-Bereich. Gleiches trifft auf die Revolution zu, auch wenn Logitech den Einsatzbereich nicht explizit angibt. Allerdings legen die Features nahe, dass das Gerät primär auf möglichst komfortables Arbeiten ausgelegt ist. Darauf weist auch die Formgebung der Maus hin, denn der "Flügel" auf der linken Seite soll die Ergonomie gegenüber früheren Modellen nochmals erhöhen.

Bevor wir mit der Maus starten können, muss zunächst der integrierte Akku aufgeladen werden. Anschließend wird die Maus auf der Unterseite durch einen Schiebeschalter eingeschaltet. Logitech setzt hier auf einen Lithium-Ionen-Akku, der allerdings nicht ausgewechselt werden kann, so dass man das Gerät im Falle eines Defektes oder Kapazitätsverlustes einschicken muss. Die Stand-By-Zeit für den Akku wird bei voller Ladung mit 15 Tagen angegeben. Zudem fällt die Ladezeit mit etwa eineinhalb Stunden sehr kurz aus. Die Maus wird zum Aufladen einfach in die mitgelieferte Ladestation eingesetzt. Eine LED-Balkenanzeige auf der linken Seite der Maus informiert über den aktuellen Ladezustand des Akkus. Die Anzeige des Ladevorgangs funktioniert nach dem gleichen Prinzip wie bei handelsüblichen Handys: Der Balken wird von unten nach oben stufenweise beleuchtet und zeigt dadurch den Ladevorgang an. Bei voller Ladung ist der Balken dauerhaft beleuchtet. Im Betrieb informiert diese Anzeige über den aktuellen Ladezustand. Fällt er unter einen bestimmten Wert, weist eine rot leuchtende LED auf die notwendige Aufladung hin. Wenn die Maus in den Stand-By-Modus umschaltet, erlischt die Anzeige vollständig.

Säulenheilige: Die Maus in der formschönen Basisstation

Mit der Ausstattung der Maus möchte Logitech neue Standards setzen. Zu den prägenden Features der MX Revolution zählen daher die ausgefeilte Ergonomie sowie die neuartigen Mausräder, die vom bisherigen Funktionsprinzip etwas abweichen. Die Revolution bietet insgesamt fünf Tasten und zwei Mausräder, von denen eines dem Vier-Wege-Scrollen und das andere als Umschalter dient. Die Tasten sind hinsichtlich ihres Druckpunktes eine wahre Freude, denn sie arbeiten sehr weich und dabei absolut definiert – so muss es sein. Die teilweise etwas klapperigen Tasten, wie sie uns bei der G7 etwas störten, gehören bei der Revolution der Vergangenheit an. Hier hat Logitech offensichtlich die Hausaufgaben gemacht, denn alles sitzt und arbeitet präzise.

Die Tasten bieten neben den üblichen Funktionen für die beiden Haupttasten die Möglichkeit, im Browser zu navigieren und auch eine Suchfunktion zu aktivieren. Dabei kann die Suchmaschine entweder direkt aufgerufen werden oder es können auf der jeweiligen Webseite bestimmte Worte markiert und durch einen Druck auf die Such-Taste über die entsprechende Suchmaschine recherchiert werden. Daneben sind die Tasten in einem gewissen Rahmen frei belegbar und man kann ihnen sogar Makros zuweisen. Dazu jedoch im Abschnitt Software mehr. Umstellen muss man sich zukünftig bei den beiden Mausrädern. Im Unterschied zu bisherigen Rädern sind sie bei der MX Revolution aus einer Aluminiumlegierung gefertigt und mit einer Gummigriffleiste versehen. Diese optisch stimmige Maßnahme unterstreicht einerseits die sehr hohe Qualität der Maus, hat zum anderen aber im Falle des Mausrades auf der Oberseite eine bestimmte Funktion.

Das Hauptrad dient wie üblich zum Vier-Wege-Scrollen. Allerdings muss man hier künftig umdenken, denn bisher war man es gewohnt, dass man in vertikaler und horizontaler Richtung scrollen und das Rad gleichzeitig als mittlere Taste verwenden konnte. Diese entfällt nun, denn ansonsten wäre die neuartige Scrollfunktion, MicroGear genannt, nicht realisierbar gewesen. Im Präzisionsmodus (Click-to-Click) arbeitet das Scrollrad wie gewohnt gerastert. Dabei sind die Raststufen diesmal sehr weich ausgefallen, aber noch gut zu spüren. Bei einem Druck auf das Mausrad schaltet es in den Hochgeschwindigkeitsmodus (Free-Spin) um. Zwar entfällt hier die Rasterung, aber in diesem Modus können Dutzende Textseiten innerhalb kürzester Zeit gescrollt werden. Man gibt dem Rad mit dem Zeigefinger einen Schwung und es dreht sich automatisch eine Weile weiter.

Innenleben: Die Mechanik ist höchst komplex

Daneben gibt es noch den SmartShift-Modus, der eine Kombination aus freiem und gerastertem Modus darstellt. Gibt man dem Mausrad im gerasterten Modus einen Schwung, so schaltet es automatisch in den Schnellmodus um, doch sobald man das Rad anhält, ist der Präzisionsmodus wieder aktiv. Dieses Feature wird mithilfe eines komplizierten Federsystems und eines Miniatur-Motors realisiert. Logitech hat hier sogar die Möglichkeit integriert, den Umschaltpunkt zwischen Rasterung und Free-Spin über SetPoint für die jeweilige Anwendung manuell festzulegen. So kann man etwa Word einen anderen Umschaltpunkt und andere Scrollgeschwindigkeiten zuweisen als beispielsweise Adobe Acrobat. Ein Steuerung im Gerät erkennt die gerade aktive Anwendung und übernimmt automatisch die gewählten Einstellungen. In der Praxis arbeiten diese Funktionen tadellos und man ist überrascht, welche enormen Möglichkeiten Logitech hier realisiert hat.

Diese Funktionen erklären auch, warum das Rad aus Metall gefertigt wurde, denn anders wäre die erforderliche Schwungmasse nicht aufzubringen. Aus den technischen Unterlagen von Logitech geht denn auch hervor, dass man die Masse des Rades von bisher üblichen 2,4 Gramm auf 14 Gramm aufstocken musste. Logitech gibt an, dass sich das Rad bis zu sieben Sekunden selbstständig weiterdreht und dabei ca. 9000 Textzeilen gescrollt werden können. Die Funktion des Rades als dritte Taste entfällt so natürlich, kann aber auch auf die direkt hinter dem Rad liegende Such-Taste gelegt werden, so dass hier gegenüber früheren Modellen keine Einbußen entstehen.

Das seitliche, ebenfalls aus Aluminium bestehende Rad hat zwar keine Scrollfunktion, dient aber als Anwendungsumschalter bzw. als Zoom-Taste. Mittels dieser Taste kann man zwischen aktiven Anwendungen bzw. Dokumenten wechseln. Dies erfolgt, indem man das Rad nach vorne bzw. hinten bewegt. Dann öffnet sich ein Menüfenster, das alle aktiven Dokumente anzeigt. Hier kann man auswählen und durch einen Druck auf das Rad wird das jeweilige Dokument oder die Anwendung aufgerufen. Da man oft mehrere Anwendung gleichzeitig laufen hat, ist das durchaus sinnvoll. Logitech hat die Revolution u.a. aufgrund diverser Studien über die Nutzungsgewohnheiten von Mäusen in Anwendungen entwickelt, die zu dem Schluss kommen, dass ein durchschnittlicher Nutzer teilweise bis zu sechs Anwendungen gleichzeitg betreibt. Diesen Anwendungsumschalter hatte Logitech in etwas anderer Form schon bei der MX 518 integriert. Darüber hinaus kann man das Daumenrad auch als Zoomtaste benutzen und sogar festlegen, in welcher Anwendung das Rad welche Funktion übernehmen soll.

Die Draufsicht offenbart die Ergonomie

Das alles mag sich zunächst nach Spielerei anhören, hat aber inzwischen seine Berechtigung, wenn man berücksichtigt, dass viele Dokumente gegenüber früher deutlich an Umfang zugenommen haben und das Scrollen einzelner Textseiten manchmal sehr zeitraubend sein kann. Darüber hinaus steckt in der MX Revolution eine extrem komplexe Mechanik, die aus nahezu hundert Einzelteilen besteht. Die obenstehende Abbildung verdeutlicht dies. Technisch gesehen ist das eine enorme Leistung, denn um eine derart aufwändige Mechanik und einen Motor auf diese Größe zu schrumpfen, ist einiges an konstruktivem Aufwand erforderlich. Das erklärt den gesalzenen Preis der Revolution und man muss den Ingenieuren von Logitech Respekt zollen.

Hinsichtlich des Sensors und der Funkübertragung erwartet uns nichts Neues, denn es kommt der bekannte 800 dpi-Lasersensor zum Einsatz, der gewohnt gute Ergebnisse hinsichtlich der Abtastung und Präzision liefert. Allerdings kann man dementsprechend auch die Auflösung nicht ändern, sondern lediglich Einfluss auf Zeigerbeschleunigung und Geschwindigkeit nehmen. Auch diese Tatsache weist auf den der MX Revolution zugedachten Einsatzzweck hin. Die Funkübertragung wird wie üblich durch die 2,4 GHz-Übertragungstechnologie bewerkstelligt, wie wir sie bereits von der G7 oder der MX 610 kennen. Als Empfänger dient ein Notebook-tauglicher USB-Receiver. Im Gegensatz zu unserem letzten Testmodell von Logitech, der MX 610 Left-Hand, bei der es teilweise arge Schwierigkeiten mit dem Signal gab, arbeitet die Übertragung bei der Revolution problemlos auch aus einer Entfernung von 2 Metern. Hier gibt es also keinen Grund zur Klage.

Ansichtssache: Die MX Revolution aus einer anderen Perspektive

Die Ergonomie der MX Revolution ist tadellos, das muss man so konstatieren. Ungeachtet der ungewöhnlichen Formgebung sind alle Tasten und auch das Daumenrad sehr gut erreichbar. Die gummierte Auflagefläche für den Daumen sorgt für ein angenehmes Griffgefühl und ein rutschfreies Handling. Die Hand liegt angenehm auf dem Mauskörper und man hat das Gefühl, dass die Maus exakt in die Hand passt. Hinsichtlich der Bauform wurde die Revolution gegenüber früheren Logitech-Modellen geringfügig verändert. Sie ist insgesamt ein wenig flacher und durch den Flügel mit der Daumenkuhle auch breiter. Das stört allerdings nicht, denn die Maus fühlt sich vom Gesamthandling her kompakter als eine G5 an. Das verwundert etwas, wenn man das Gewicht der Revolution bedenkt, die mit 148 Gramm alles andere als mager ist, zeigt aber, dass die Ingenieure von Logitech ihre Hausaufgaben gemacht haben. Einzig die Gleitfreudigkeit ist etwas geringer als bei der G5, was aber der Tatsache geschuldet sein dürfte, dass die MX Revolution eine deutlich größere Grundfläche hat und somit mehr Gleitflächen verbaut werden mussten, die natürlich die Reibung erhöhen. Dennoch stört das in der Praxis kaum. Unserer Auffassung nach gibt es insgesamt kaum etwas zu verbessern – sofern man mit dem Grundkonzept zurecht kommt.

Funktion

Nach diesen umfangreichen technischen Erläuterungen ein paar Worte zur Funktion: Hier können wir uns kurz fassen, denn sämtliche beworbenen Features sind in der Praxis voll funktionsfähig und verrichten einwandfrei ihren Dienst. Das war auch bei Logitech nicht immer so, denn oft sollten Funktionen vorhanden sein, die in der Praxis nicht zum Laufen zu bringen waren. Das gehört bei der MX Revolution der Vergangenheit an und so erhält man sämtliche Funktionen, für die man bezahlt hat. Erfreulich, dass so etwas auch im PC-Bereich möglich ist, in dem dem Kunden leider oft deutlich mehr versprochen wird, als in der Praxis eingehalten werden kann.

Insgesamt bekommt man für sein Geld eine extrem komfortable Maus, die viele für den Office-Bereich sehr sinnvolle Features bietet. Hier kann man also eine klare Empfehlung für eher anwendungsorientierte Nutzer geben, denn dafür ist die MX Revolution konzipiert.



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