Zielgenau? Drei aktuelle Gaming-Mäuse


Erschienen: 16.04.2007, Autor: Jochen Schembera
Die Software

Etwas unübersichtlich: Der Razer-typische Treiber der Habu

Die Installation der Habu ist an sich keine große Sache – wäre da nicht das zuvor nötige Firmware-Update, damit die Maus ordnungsgemäß arbeitet. In der ursprünglichen Firmwareversion 1.0 fiel auf, dass Voreinstellungen teilweise nicht übernommen wurden und die Maus zudem bei einer Abtastrate von 1000 Hz zum Springen neigte. Zwar gibt Razer an, dass man das Update nur durchführen sollte, wenn man den Onboard-Speicher zum Ablegen individueller Konfigurationen nutzen will, aber es ist anzunehmen, dass die meisten Käufer das durchaus wollen. Derartiges sind unangenehme Fehler, die man bei einer Maus mit einem UVP von 59,99 Euro natürlich nicht sehen möchte. Dementsprechend schnell hat Razer mit einem Firmware-Update reagiert. Dieses Update ordnungsgemäß einzuspielen, verlangt allerdings eine gewisse Erfahrung.

Zunächst installierten wir den auf CD mitgelieferten Treiber der Vers. 1.0 – ein Muss, denn mit einem neueren Treiber wäre das Update nicht möglich gewesen. Anschließend muss die Firmware der Versionsnummer 2.01 eingespielt werden. Die Firmware kann direkt bei Razer heruntergeladen werden und beinhaltet eine Autorun-Routine. So weit, so gut, doch ist das Update komplizierter als angenommen. Razer empfiehlt in den Release-Notes ausdrücklich, eine zweite Standard-Maus an den Rechner anzuschließen, da die Habu während des Firmware-Updates nicht mehr reagiert. Ein funktionsfähiges Eingabegerät ist aber nötig, denn sonst kann das Update nicht abgeschlossen werden. Während des Updates wird die Maus neu erkannt und der typische Windows XP-Dialog zur Installation neuer Hardware erscheint. Dieser Vorgang muss nun zügig abgeschlossen werden, sonst bricht das Firmware-Update ab und man sitzt u.U. mit einer ‚toten’ Maus da. Unschön – zumal man in diesem Fall nicht einmal Garantie-Ansprüche einklagen kann, denn Firmware-Updates geschehen genau wie BIOS-Updates bei Mainboards auf eigenes Risiko. Anschließend kann der (deutschsprachige) Treiber der Version 2.01 installiert werden. Mittlerweile bietet Razer noch einen neueren englischsprachigen Treiber an – Version 2.10. Warum hier allerdings nochmals die Firmware, an deren Versionsnummer sich nichts ändert, aktualisiert werden soll / muss, bleibt unklar, zumal dieser Vorgang wiederum genauso umständlich ist.

Funktionelles Detail: Die Daumentasten lassen sich anpassen

Der Treiber selbst, der sich durch ein Taskleistensymbol bemerkbar macht, ist in allen Versionen in der Razer-typischen grün-schwarzen Oberfläche gehalten und wirkt durch die Farbgebung sowie die recht kleine Schrift ein wenig unübersichtlich. Wer bereits öfter eine Razer-Maus sein Eigen nennen konnte, wird damit allerdings keine Schwierigkeiten haben. Die Eingewöhnungszeit ist kurz und man findet alle wesentlichen Funktionen relativ schnell. Neben den Optionen zur Tastenbelegung bietet der Treiber die Möglichkeit, Sensivität, Abtastrate, Auflösung, Doppelklickgeschwindigkeit u.a.m. einzustellen. Darüber hinaus können der Synapse wiederum Makros zugewiesen werden. Das kennen wir so bereits von der Copperhead. Hier finden wir also nichts wesentlich neues.

Ein Gimmick ist die Möglichkeit, die Beleuchtung der Leiste und des Rades abzuschalten – wirklich Sinn macht das nicht. Darüber hinaus kann die Funktion ‚On-the-fly-sensivity’ zur Einstellung der Empfindlichkeit auf die Radtaste gelegt werden. Das ist allerdings sinnvoll, denn drückt man das Rad und dreht es anschließend, hat man Zugriff auf diese Funktion, kann das Rad aber ohne Tastendruck nach wie vor zum Scrollen nutzen. Diesen Punkt hatten wir bei der Krait kritisiert, da dies hier nicht möglich war. Störend ist auch, dass die Software jede Änderung der Einstellungen damit quittiert, dass die Maus einen Augenblick lang nicht mehr reagiert. Die Reaktionszeit zur Übernahme der Einstellungen dauert also etwas. Fragen muss man sich auch, warum Razer nicht allmählich zu einer UDA (Unified Driver Architecture) übergeht, wie es bei Logitech oder Microsoft schon länger Standard ist. Das würde das Durcheinander verschiedener Treiberversionen und modellabhängiger Varianten deutlich entwirren und dem (unerfahrenen) Endanwender das Leben erleichtern. Insgesamt hinterlässt die Software der Habu keinen runden Eindruck – das muss man leider so konstatieren. Möglicherweise ändert sich hier in den nächsten Monaten noch etwas.

Spieletests

Die Habu in der Seitenansicht

Neben der bereits erwähnten Funktionalität in Office-Anwendungen wollen wir uns zum Abschluss des Tests der Habu noch die Performance in Spielen ansehen. Vor dem Firmware-Update war das Ergebnis etwas unbefriedigend, nach dem Update allerdings völllig in Ordnung. Die zeitweisen Hänger bei einer Abtastrate von 1000 Hz waren ebenso verschwunden wie die Probleme mit den Presets.

Um gleiche Ausgangsbedingungen zu schaffen, bekommen alle Mäuse unser Everglide Titan-Pad untergeschoben und müssen den gleichen Testparcours durchlaufen. Für unsere Spieletests kommen wie immer bestimmte Kandidaten zum Einsatz, die wir standardmäßig für solche Aufgaben nehmen. Dazu zählen das etwas angejahrte, aber immer noch höllisch schnelle Quake 3 Arena, Half-Life² und als Neuzugang der brandneue Shooter S.T.A.L.K.E.R.

Die Habu meistert diese Aufgaben klaglos und in allen Spielsituationen unauffällig - das ist typisch für Microsoft. In Quake Arena waren wir mit der Maus sehr zufrieden. Objektiv ist es ohnehin eine sehr individuelle Sache, mit welcher Maus der jeweilige Spieler am Besten zu Recht kommt. Half-Life² geht ebenfalls sehr gut von der Hand. Eine winzige Mausbewegung genügt für eine präzise Drehung in die gewünschte Richtung. Allerdings ist eine gewisse Eingewöhnungszeit sowie das Experimentieren mit den verschiedenen Empfindlichkeiten und Beschleunigungen gefragt, denn die Habu lässt sich hier fein abstimmen. In S.T.A.L.K.E.R leistet sich die Habu ebenfalls keine Schwächen, denn das Zielen gelingt sehr genau. Dennoch empfiehlt es sich hier, die Beschleunigung etwas zu drosseln, denn S.T.A.L.K.E.R ist insgesamt hinsichtlich seiner Spielgeschwindigkeit deutlich langsamer als Quake, so dass eine zu hohe Beschleunigung nur dazu führt, dass man den Überblick verliert. Zudem muss man bei S.T.A.L.K.E.R etwas genauer zu Werke gehen als in Quake.

Handschmeichler: Die Ergonomie der Habu ist gelungen

Allerdings muss man auch anmerken, dass uns die Krait als Spielemaus insgesamt besser gefallen hat. Das mag auch an der Form des Mauskörpers liegen, denn die Krait fällt schlanker aus als die Habu. Es ist, als würde man zwischen zwei Stühlen sitzen. Man hat trotz der sehr gelungenen Microsoft-typischen Formgebung nicht das Gefühl, eine echte Microsoft-Maus vor sich zu haben, aber auch keine echte Razer. Ob die Habu das Beste aus zwei Welten ist, wird erst der Vergleich mit den beiden anderen Kandidaten zeigen. Vollständig überzeugen konnte sie uns nicht, was sicherlich auch auf die Software zurückzuführen ist.



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