Zielgenau? Drei aktuelle Gaming-Mäuse


Erschienen: 16.04.2007, Autor: Jochen Schembera
Die Software

Die mitgelieferte Software der M3 lässt uns ein wenig ratlos zurück: Ein ausgereifter Treiber sieht anders aus, das muss an dieser Stelle festhalten. Bei der M3 wird die ‚Raptor Adjust-Software’ mitgeliefert, die in der Theorie über eine umfangreiche Funktionspalette verfügen soll – in der Praxis haperte es damit etwas. Nach dem Anschließen der Maus an den Rechner kann die Software installiert werden. Das funktioniert soweit problemlos, denn nach dem Einlegen der CD wird automatisch ein Installationsdialog aufgerufen. Der Treiber wird zweisprachig installiert (deutsch und englisch). Diese Idee ist soweit gut, doch hilft das nicht viel: Weder gibt es eine Online-Hilfe, noch ist die Dokumentation sonderlich hilfreich oder informativ ausgefallen, so dass wir uns im Treiber erst mühsam zu Recht finden mussten.

Die Raptor Adjust Software bietet viele Möglichkeiten, macht aber keine rechte Freude

Als erstes fiel uns auf, dass der Treiber nach der Installation zwar aufgerufen werden konnte, aber die meisten Funktionen zunächst nicht zur Verfügung standen. Erst nach einem Neustart änderte sich das – allerdings forderte der Installer uns nicht zu einem Neustart auf. Das sollte so nicht vorkommen. Zudem klebt das Treiberfenster in der Mitte des Bildschirms und lässt sich nicht verschieben – das ist etwas nervig. Darüber hinaus fiel uns auf, dass das Taskleistensymbol der Raptor beim Systemstart des öfteren nicht geladen wird. Nach dem Neustart konnten wir immerhin die meisten Funktionen nutzen. Bei der dpi-Verstellung offenbarten sich allerdings wiederum einige Schwächen des Treibers: Kann man hardwareseitig mittels der dpi-Taste und des Rades problemlos die Auflösungen umschalten, so war das mit der Software nicht mehr so einfach. Prinzipiell ist die Idee, dass man mit der Software Zwischenabstufungen wählen kann.

Das nebenstehende Bild verdeutlicht das: Links im Treiberfenster stehen die hardwareseitigen Werte, rechts die interpolierten Werte, die man mit der Software anwählen kann. Negativ ist hier, dass man keine Zwischenwerte angezeigt bekommt – schätzen ist angesagt. Zudem ist auffällig, dass die Interpolation nicht funktioniert. Stellt man den hardwareseitigen Wert von 400 dpi auf interpolierte 800 dpi ein, passiert schlicht gar nichts, denn es war keine Änderung wahrnehmbar. Wenn man den Wert dann mittels des Mausrades auf 800 dpi hardwareseitig ändert, merkt man sofort einen Unterschied. Oberhalb von 2000 dpi weigerte sich der Treiber schlicht, einen interpolierten Wert anzunehmen. Was wir auch versuchten, der Treiber speicherte die Änderungen nicht. Abgesehen davon, dass die maximale optische Auflösung des Lasersensors bei 2000 dpi liegt, bringt es wenig, mit 2400 dpi zu werben, wenn diese weder hardwareseitig noch interpoliert anwählbar sind. Zudem sind Werte oberhalb 2000 dpi nicht mehr sinnvoll verwendbar, denn dadurch würde der Mauszeiger so schnell, dass er kaum noch kontrollierbar wäre. Das hatten wir schon beim Vorgängermodell kritisiert. Was diese Funktion so also bringen soll, ist unklar. Im Zweifel ist es ein reines Werbeargument.

Sinnvoll oder nur ein Gimmick? Das Application Wheel

Es gibt bei der M3 eine Menge zusätzlicher Funktionen, die auf die Maustasten gelegt werden können. Man kann für 3 der 5 Tasten aus einer umfangreichen Palette wählen, aber warum sich ausgerechnet die beiden Haupttasten nicht nach Wahl belegen lassen, bleibt fraglich. Der Treiber bietet zwar die Möglichkeit, für jede der einstellbaren Tasten eine bestimmte Aktion zu wählen (Makro, Anwendungssteuerung, Tastenkombination etc.), aber es ist nicht ohne Umstände möglich, eine Maustaste mit einer einfachen Buchstabenzuweisung zu belegen (etwa mit der in Shootern häufig genutzten Taste ‚R’). Dazu muss man der entsprechenden Taste erst wieder ein Makro mit dem jeweiligen Buchstaben zuweisen. Das ist fürchterlich umständlich, zumal der Treiber auf Eingaben ab und an nur sehr widerwillig reagiert. Immerhin bieten die acht programmierbaren Makros eine ausreichend lange Zeichenfolge, so dass hier keine Wünsche offenbleiben dürften. Eine Besonderheit stellt die Funktion ‚Application Wheel’ dar: Die Idee ist hier, dass man dem ‚Application Wheel’ eine Maustaste zuweist. Drückt man diese, erscheint eine Art Rad auf dem Bildschirm, über das man den Mauszeiger bewegen und auf diese Art eine entsprechende Anwendung auswählen kann. Insgesamt stehen hier acht Zuweisungsmöglichkeiten zur Verfügung. Gleiches gibt es für die Makros. Allerdings muss man sich bei lediglich drei frei belegbaren Tasten fragen, was das bringen soll. Mag das Application Wheel noch halbwegs Sinn machen, so kann man das für das Makro Wheel nicht sagen. Uns fallen hier keine Einsatzgebiete ein, bei denen das sinnvoll wäre, denn diese Menge an Makros braucht man in keinem Spiel. Dahinter steckt zwar die Idee hohen Bedienkomforts, aber dazu ist das Ganze nicht stimmig genug umgesetzt.

Insgesamt wirkt der Treiber sehr unausgereift. Eine aktuellere Treiberversion als V 1.0 Build 060928 wird auf der Homepage von Raptor nicht angeboten, denn der herunterladbare Treiber entspricht dem auf CD mitgelieferten. Daher lautet unsere Empfehlung hier, die Maus besser ohne die Software zu verwenden, denn der Treiber bietet zwar viele Möglichkeiten, ist aber einfach nicht voll funktionsfähig. Die Basisfunktionen laufen auch ohne Treiber. Daher ist hier seitens Raptor dringende Nachbesserung nötig.

Spieletests

Verschenktes Potenzial: Aus der M3 hätte Raptor deutlich mehr machen können

Bei den Spieletests können wir uns im Falle der M3 kurz fassen. Zwar lieferte sie in allen Spielen unseres Parcours akzeptable Ergebnisse, aber durch die größere Bodenfläche bei gleichzeitig kleineren Gleitflächen läuft sie spürbar schlechter auf dem Pad als ihre Konkurrenten. Manchmal hatten wir das Gefühl, dass die Maus ein wenig hakelt. Gerade in schwierigen Spielsituationen kann das schnell kritisch werden. Dementsprechend ist es fraglich, ob man die Zusatzgewichte wirklich braucht. Das ist aber Geschmackssache. Immerhin ist die Raptor in Spielen ein relativ unkompliziertes Gerät, aber man merkt einfach, dass die vielen guten Ideen, die in der M3 stecken, nicht konsequent umgesetzt wurden. Die Softtouch-Oberfläche greift sich sehr angenehm, ist aber recht glatt, so dass einem die Maus beim Umsetzen auf dem Pad auf Grund ihrer ungewöhnlichen Bauform leichter aus der Hand rutscht. Unser Fazit hier: Für Spieler geht die Maus noch in Ordnung, aber High-Performance sieht etwas anders aus. Raptor hat sehr viel Potenzial verschenkt, denn die M3 hat dieses fraglos - doch wurde es nicht konsequent verwirklicht.



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