Atmungsaktiv: Das Codegen Briza 6099-CA


Erschienen: 20.04.2006, Autor: Jochen Schembera
Einbau der Komponenten

Nachdem man die linke Seitenwand des Gehäuses entfernt hat, die mittels Rändelschrauben befestigt ist, kann es an die Montage der Bauteile gehen. Der Einbau aller Bauteile geht recht schnell von der Hand. Alle Kanten sind gefalzt bwz. gerundet, so dass man nicht unbedingt damit rechnen muss, sich irgendwo zu schneiden. Der Einbau des Mainboards sowie der Laufwerke verläuft konventionell; alle Bauteile müssen verschraubt werden. Der Mainboardschlitten ist nicht ausziehbar, so dass man hier mit etwas Planung beim Einbau vorgehen muss. Es empfiehlt sich daher, das Mainboard zuerst zu montieren und erst dann die übrigen Komponenten einzubauen.

Sämtliche Bohrungen für die Mainboardhalterungen sind passgenau ausgeführt, so dass es hier nicht zu Problemen kommen sollte. Nachdem man die Abstandshalter und die mitgelieferten Unterlegscheiben montiert hat, kann das Mainboard eingebaut werden. Austauschen sollte man vorher natürlich den mitgelieferten I/O-Shield gegen den des Mainboards, denn der vormontierte passt naturgemäß nicht zu den vorhanden Ein- und Ausgängen des Boards. Unangenehm bemerkbar machte sich beim Anschließen des Boards allerdings die Tatsache, dass der Mainboardschlitten etwas dünn ausgeführt ist, so dass man die Kabel und die Komponenten nicht mit zuviel Kraft einbauen sollte, denn dann biegt sich das Board etwas weit durch.

Sämtliche Kabel für den Anschluss der Bedienelemente an der Front sowie der USB-Ports sind ausreichend lang und beschriftet. Allerdings sind die USB-Stecker nicht als Block sondern als Einzelstecker ausgeführt, was in einer etwas fummeligen Verkabelung resultiert. Gewünscht hätte man sich auch eine Angabe der Pin-Belegung der Stecker, um einen Fehlanschluss zu vermeiden. Diese Anleitung fehlt, aber es gibt sie zum Download auf der Herstellerseite. Insgesamt gelingt die Verkabelung recht problemlos und schnell. Schön ist auch, dass die Anschlüsse für den Front-Audio-Anschluss sowohl als Einzel- als auch als Blockstecker ausgeführt sind, so dass man hier allen Erfordernissen entsprochen hat.

Die 5,25“-Laufwerke können nach dem Entfernen der beiden klappbaren Kunststoffblenden von vorne eingebaut werden. Allerdings muss man hier mit etwas mehr Kraft zu Werke gehen, denn die Gehäusefront ist an dieser Stelle geringfügig untermaßig, so dass die Laufwerke beim Einbau leicht klemmen. Das macht sich auch bei den beiden Blindblenden bemerkbar, die die beiden unteren 5,25“-Schächte abdecken, denn sie wölbten sich leicht nach außen.

Anschließend können die Laufwerksblenden wieder eingesetzt werden. Allerdings sollte man darauf achten, die Laufwerke genau ausgerichtet hinter den Blenden zu montieren, denn andernfalls funktionieren die Klappblenden nicht korrekt. Hat man aber die richtige Ausrichtung gefunden, so enttäuschen die Klappblenden nicht und verrichten zuverlässig ihren Dienst. Der Einbau des 3,5“-Laufwerks sowie der Festplatten gestaltet sich ebenfalls unproblematisch. Alle Teile müssen konventionell nach bekanntem Schema verschraubt werden, was aber kein Problem darstellt. Unklar bleibt, wieso man im Festplattenkäfig nicht die Bohrungen für eine weitere Festplatte angebracht hat, denn Raum wäre dafür vorhanden gewesen.

Kommen wir nun zu einer der im Vorwort angesprochenen Besonderheiten: Das Clip-System für die Steckkarten. Codegen wirbt damit, dass man hier gewissermaßen ein schraubenloses Design vorfindet. Demnach müssen Steckkarten wie Grafik- oder Soundkarte sowie evtl. Erweiterungskarten einfach nur eingesetzt und mittels des Schiebesystems arretiert werden. Die Theorie ist gut, die Praxis ernüchternd.

Unsere verbaute Gainward GeForce 6600 GT ließ sich zwar passgenau und problemlos einbauen, aber das Clip-System ist offenbar nur für Steckkarten ausgelegt, die exakt der Breite einer üblichen PCI-Blende entsprechen. Da das PCB der 6600 GT etwas breiter ist, konnte man das Clip-System nicht schließen. Da die meisten handelsüblichen Grafikkarten inzwischen sowieso ein breiteres PCB haben, wird das Clip-System somit im Prinzip unbrauchbar. Man muss die Karten letztlich doch wieder konventionell verschrauben. Das ist ärgerlich, denn erstens wirbt Codegen für das Gehäuse u.a. mit diesem Feature, zweitens ist diese Problematik bei schraubenlosen Systemen schon länger bekannt. Unverständlich bleibt, warum Codegen nicht in der Lage war, das System entsprechend auszulegen, denn die Ingenieure sollten eigentlich wissen, dass fast alle neueren Steckkarten sich nicht mehr an die Norm-Breite halten. Alle Komponenten lassen sich trotz dieses Ärgernisses aber problemlos einbauen, wenn man statt des Clip-Systems normale Schrauben verwendet, denn die Gewinde neben den PCI-Slots sind immerhin vorhanden. Vorher muss das Clip-System allerdings demontiert werden, was aber unproblematisch zu bewerkstelligen ist, da es mit dem Gehäuse lediglich verschraubt ist.

Das Netzteil

Kommen wir nun zum verbauten 400 Watt-Netzteil, denn auch das ist ein Feature, das explizit seitens Codegen beworben wird. Vorweg: Das Netzteil kann man leider nur als etwas traurige Angelegenheit bezeichnen, denn es wird den heute geforderten Spezifikationen hinsichtlich der Anschlüsse und der Leistung in keiner Weise gerecht. Die untenstehende Tabelle zeigt, dass die Leistung für heutige Verhältnisse nicht mehr ausreichend ist. Zwar ist der ATX 2.03-Standard trotz der neuesten ATX 2.2-Spezifikationen immer noch gängig, aber dennoch sollten zumindest Versorgungsmöglichkeiten für neuere Komponenten vorhanden sein. Immerhin verfügt das Netzteil über einen 120 mm-Lüfter, der relativ leise läuft, aber das Netzteil-Gehäuse selbst ist extrem verwindungsanfällig. Dadurch kann es vorkommen, dass der Lüfter nach dem Transport des Rechners am Netzteil-Gehäuse schabt, so wenig biegesteif ist es. Wir konnten es denn auch mit beiden Händen ohne Kraftaufwand deutlich hin und her bewegen.

Dazu kommt, dass das Netzteil lediglich vier IDE-Stecker und einen Floppy-Stecker bietet. An Mainboard- anschlüssen sind ein 4-Pol- und ein 20/24-Pol-ATX-Stecker vorhanden. Einen SATA- oder gar PCIe-Anschluss sucht man vergeblich. Zudem sind alle Kabel derart kurz gehalten, dass sie gerade eben ausreichen, um die Komponenten im Gehäuse anzuschließen. Dass das nicht genügt, um eine größere Zahl von Komponenten zu versorgen, brauchen wir nicht zu diskutieren. Auch eine Erweiterung der Anschlüsse mittels Adaptern dürfte keine Lösung sein, da die Leistung des Netzteils hier kaum ausreicht. Insofern lässt sich festhalten, dass das Netzteil allenfalls für einen durchschnittlichen Büro-Rechner genügt, doch auch dieser sollte nicht allzu viele Geräte an Bord haben. Selbst für ein Mittelklasse-Gaming-System ist das Netzteil schlicht unbrauchbar. Insofern wäre es konsequenter gewesen, Codegen hätte das Netzteil einfach weggelassen und dafür den Preis des Gehäuses gesenkt. Man wird kaum darum herumkommen, eine adäquate Stromversorgung gesondert anzuschaffen. Das ist ärgerlich, denn andere Hersteller zeigen, dass ein besseres Netzteil auch bei knapper Kalkulation möglich ist. Zudem hat Codegen bekanntermaßen selbst deutlich bessere Hausmarken-Netzteile zu bieten.

Bevor wir zum Kühlungssystem kommen, soll Ihnen die folgende Tabelle einen Gesamtüberblick über die Leistungsfähigkeit des Netzteils geben.

Spezifikationen des Netzteils
Hersteller Codegen
Modell 300 X
Leistung 400 Watt
ATX-Standard 2.03
PFC Ja
Anschlusskabel mitgeliefert Ja
Lüfter 1x 120 mm (low-noise)
Gewicht ca. 1,6 kg
Leistungsdaten
Ausgangsleistung (DC) +3,3 Volt +5 Volt +12 Volt -5 Volt -12 Volt +5 VSB
20 A 22 A 16 A 0,5 A 0,8 A 2 A
Combined Power

130 Watt

Anschlussmöglichkeiten
Art ATX 24-Pin P4 Floppy IDE 4-Pin PCIe S-ATA
Anzahl 1x 1x 1x 4x - -
Besonderheiten

ATX-Stecker teilbar (20- oder 24-Pin)


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