Klappkiste Deluxe: Das Spire Pininfarina


Erschienen: 02.11.2006, Autor: Jochen Schembera
Einbau der Komponenten

Das Pininfarina wirbt mit einem besonderen Feature: Den beidseitig ausklappbaren und zudem herausnehmbaren Seitenwänden. Laut Hersteller soll das eine bedeutende Montageerleichterung darstellen. Auf eine umfangreiche Bedienungsanleitung seitens des Herstellers muss man jedoch verzichten, denn die meisten Bedienungshinweise finden sich in Form von Aufklebern im Gehäuseinneren. Der Klappmechanismus der Seitenwände funktioniert einwandfrei und so kann mit dem Einbau der Komponenten in das Gehäuse begonnen werden. Vorher muss allerdings noch die seitliche Stabilisierungsschiene im Gehäuse, die auch den Lüfter für die Grafikkarten sowie den Arretierungsmechanismus für die Steckkarten trägt, entfernt werden. Das geht relativ einfach, denn die Schiene muss nur entriegelt, mit leichtem Zug nach außen bewegt und anschließend nach oben entnommen werden.

Funktionell: Das schraubenlose System zur Laufwerksmontage.

Ein erstes Ärgernis erleben wir beim Einbau der 5,25"-Laufwerke. Von außen lassen sich die Kunststoffblenden hinter der Tür nicht entnehmen, man muss also von der Rückseite aus herangehen. Allerdings ist das nicht ganz einfach, denn Spire hat (wie fast jeder Hersteller) beim Stahlchassis des Pininfarina darauf verzichtet, die Stahlabdeckungen der Laufwerksschächte zu entfernen. Man muss also mit etwas Fingerakrobatik von oben hinter die Kunststoffblenden greifen und kann anschließend die oberste Blende nach vorne herausdrücken. Das ist nicht ganz einfach, aber die einzige Möglichkeit, die Blenden beschädigungsfrei zu demontieren. Die vollständige Demontage der Front wäre allerdings noch umständlicher, so dass man hier mit etwas Fingerspitzengefühl auch zum Ziel kommt. Da der oberste Laufwerksschacht allerdings der Unterbringung der Frontelemente vorbehalten ist, lässt sich das bewerkstelligen, ohne sich die Finger zu brechen. Jedenfalls wäre es besser gewesen, der Hersteller hätte die Stahlabdeckungen gleich vollständig entfernt. Das muss man nach Entfernung der Kunststoffblenden selbst erledigen.

Danach können die 5,25"-Laufwerke eingebaut werden. Das funktioniert gut, allerdings müssen die Bruchränder der Stahlabdeckungen vorher plan gefeilt werden, denn andernfalls zerkratzt man die Laufwerke beim Einschieben. Nun müssen die Laufwerke exakt zu den Befestigungslöchern im Gehäuse ausgerichtet werden. Hier kommt eines der wirklich gelungen Features des Pininfarina zum Einsatz, denn das schraubenlose Bajonett-System funktioniert einwandfrei. Das Laufwerk muss lediglich passend eingeschoben werden, anschließend wird der Halteclip in die Befestigungslöcher gedrückt und verriegelt – fertig. Dadurch wird das Laufwerk an die gegenüberliegende Seite des Laufwerksschachtes gedrückt und fixiert. Ebenso einfach geht der Einbau des 3,5"-Diskettenlaufwerkes von der Hand. So wünscht man sich schraubenlose Systeme. Bei der Montage der Fan-o-Matic erlebten wir allerdings, dass das System nur bei Standardgeräten wirklich funktionell ist. Die Lüftersteuerung läßt sich zwar auf die gleiche Weise einbauen, aber da sie aufgrund ihrer Länge nur den halben Schacht belegt, wird sie auf der anderen Schachtseite nur unzureichend fixiert. Das resultiert im Ergebnis, dass man die Steuerung bei jeder Tastenbetätigung ins Gehäuse drückt. Hier wäre also die zusätzliche Möglichkeit, die Komponenten auf der dem Schnellverschluss gegenüberliegenden Seite noch verschrauben zu können, sinnvoll gewesen. Dennoch funktioniert das System insgesamt gut.

Fragwürdig: Die rote Markierung zeigt die wenig funktionellen Blechklemmen.

Der Einbau der Netzteils wiederum stellt eine wahre Zumutung dar. Hier zeigt sich wieder einmal, dass Design eben nicht alles ist. Um das Netzteil montieren zu können, muss zunächst die komplette Kunststoffblende auf der Rückwand entfernt werden. Spire hat die Befestigung der Blende mittels Blechklemmen gelöst, die sich theoretisch einfach nach hinten herausdrücken lassen und damit die Blende freigeben sollten. Theoretisch – in der Praxis gestaltet sich das extrem umständlich. Die Klemmen lassen sich von innen nur mit einer Zange lösen, was natürlich dementsprechend in Kratzern resultiert. Daher entschlossen wir uns, die Klemmen einfach herauszuschrauben. Allerdings sind sie teilweise nur schwer zugänglich angebracht, so dass sich auch das etwas schwierig gestaltete. Nach dem Entfernen der Rückwand kann das Netzteil auf die herkömmliche Weise eingebaut werden. Da die Passungen hier exakt sind und das Netzteil durch ein zusätzliches Blech sowie eine Nase, die etwas Druck ausübt, stabilisiert wird, stellt das kein Problem dar. Die nächste böse Überraschung lauert allerdings, wenn man die Verblendung der Rückwand wieder einklipsen möchte. Hier sollte man auf die beiden obersten Klemmen tunlichst verzichten, denn diese verschwinden komplett hinter dem Netzteil. Man kommt also schlicht nicht mehr an sie heran. Da die Befestigungsschrauben des Netzteils durch die Blende ebenfalls komplett verdeckt werden, hat man also keine Chance, das Netzteil im Bedarfsfall problemlos auszubauen, da man ja zuerst die Blende entfernen muss. Zwar könnte man sie wohl mit roher Gewalt abziehen, aber über die Folgen brauchen wir hier nicht zu diskutieren. Eine derartige Konstruktion ist völlig sinnlos. Was Spire sich dabei gedacht hat, kann hier nur gemutmaßt werden.

Der Einbau der Festplatten mittels des schraubenlosen Systems funktioniert zwar, ist allerdings wenig elegant ausgefallen. Zunächst muss der untere Festplattenkäfig ausgebaut werden. Dazu muss man den Arretierhebel lösen, den Käfig leicht Richtung Gehäuserückwand ziehen und ihn anschließend im 45°-Winkel herausdrehen. Das braucht etwas Übung, zumal der Käfig anfänglich ein wenig klemmt. Nach mehrmaliger Betätigung funktioniert die ganze Mechanik allerdings etwas leichtgängiger als zu Beginn. Nun können die Festplatten montiert werden. Dazu müssen die Schienen für das schraubenlose System in die Haltebohrungen der Festplatte hineingedrückt werden. Dies wird mittels einfacher Blechnasen realisiert, die die Schienen an Ort und Stelle halten sollen. Elegant ist das nicht, aber immerhin funktioniert es. Ärgerlich ist allerdings, dass man dabei die Gewindebohrungen im Festplattengehäuse beschädigt. Zudem sind die Schienen sehr dünn und scharfkantig ausgefallen. Anschließend können die Festplatten mit etwas Kraftaufwand in den Käfig geschoben werden und rasten dort ein. Insgesamt wirkt diese Lösung etwas billig – das haben wir bei Antec wesentlich besser gesehen.

Einfache Montage: Das Board lässt sich schnell und problemlos auf dem Tray montieren.

Der Einbau der Mainboards auf dem ausklappbaren Tray geht ohne größere Probleme vonstatten. Hier ist allerdings auch wieder eine Lösung zu finden, die in dieser Preisklasse absolut nichts verloren hat. Bei modernen Gehäusen werden in der Regel Abstandshalter aus Messing auf den Tray geschraubt, auf denen wiederum das Board montiert werden kann. Beim Pininfarina hat man auf die etwas antiquierte Befestigungstechnik mittels Blechklemmen gesetzt. Diese werden in die entsprechenden Längslöcher auf dem Tray geklipst und dann kann das Mainboard darauf verschraubt werden. Von der zweifelhaften Haltekraft abgesehen, ist derartiges einfach nicht mehr zeitgemäß, denn heutige Mainboards werden z.T. mit Kühlkonstruktion bestückt, die leicht ein halbes Kilo erreichen. Bei derartigen Anforderungen auf eine Befestigungstechnik zu setzen, die schon seit Jahren überholt ist, hinterlässt wiederum einen etwas billigen Eindruck. Das geht besser. Die Steckkarten lassen sich jedoch ohne Probleme montieren und mit den PCI-Blenden verschrauben, denn alles ist passgenau ausgeführt. Nach dem Zuklappen des Trays können die Steckkarten mit den an der Stabilisierungsschiene angebrachten Klemmen fixiert werden. Das macht etwa bei SLi-Systemen die umständliche Fixierung der Grafikkarten mittels der den meisten Boards beiliegenden Blechhalteschiene überflüssig. Schön am ausklappbaren Tray ist auch, dass so die Frontelemente ohne größere Probleme angeschlossen werden können. Die Verkabelung für den Stromschalter, die USB-Ports usw. entspricht dem Standard – hier kann also wenig schief gehen. Fummelig wird es allerdings wieder beim Anschluss des FireWire-Kabels. Es ist in lauter Einzelstecker gefasst, was zwar einerseits eine flexible Belegung ermöglicht, aber andererseits kann man das auch Blockstecker ausführen, denn die Belegung des FireWire-Anschlusses ist schon länger standardisiert. Hier ist die Lösung von Lian Li, das Ganze mittels eines Anschlussadapters zu lösen, der erst nach erfolgter Montage der Frontanschlüsse an das eigentliche Kabel im Gehäuse angeschlossen wird, deutlich besser.

Das Pininfarina nach dem Einbau aller Komponenten.

Die Lüfter an den Seiten wiederum sitzen in funktionellen Käfigen, in die man sie einfach nur einklipsen muss und bei Bedarf verschrauben kann. Das ist gelungen und geht sehr einfach. Unschön ist allerdings, dass sämtliche Lüfter mit herkömmlichen 4-Pin-Anschlüssen geliefert werden, so dass man sie nicht ohne weiteres an eine Lüftersteuerung anschließen kann. Hier muss man mit 3-Pin-Molexadaptern arbeiten. Das ist etwas ärgerlich, denn die Beigabe dieser Adapter hätte den Hersteller nur wenige Cent gekostet. Der optionale 120 mm-Lüfter für den CPU-Duct kann direkt mit der Seitenwand verschraubt werden und der Lüfter auf der Rückwand ist auf die übliche Art verschraubt. Allerdings kann man diesen im Bedarfsfall wiederum erst nach Demontage der rückseitigen Blende austauschen. Nachdem alle Komponenten eingebaut sind, wird das Seitenteil mit dem Tray einfach zugeklappt und man kann an das Aufräumen der Verkabelung gehen. Insgesamt waren wir mit dem Einbau der Komponenten mäßig zufrieden: Einerseits finden wir sehr funktionelle Lösungen vor, andererseits wirkt manches einfach nicht durchdacht – es ergibt sich ein sehr durchwachsenes Bild.


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