Klappkiste Deluxe: Das Spire Pininfarina


Erschienen: 02.11.2006, Autor: Jochen Schembera
Das Kühlsystem im Detail

In diesem Abschnitt wollen wir das Kühlsystem des Spire Pininfarina genauer unter die Lupe nehmen. Das grundsätzliche Problem aktueller Hochleistungssysteme besteht in der starken Wärmeentwicklung der einzelnen Komponenten. Bei immer weiter steigender Leistung wird auch die abzuführende Abwärme ein immer gewichtigerer Faktor. Multi-GPU-Systeme und leistungsstarke Prozessoren erzeugen Temperaturen, die man noch vor wenigen Jahren nur in Ausnahmefällen erreicht hat. Man denke an die im Vergleich zu heute winzigen Kühlkonstruktionen etwa des Pentium II oder älterer Grafikkarten, die vollständig passiv gekühlt auskamen.

Das Kühlkonzept des Pininfarina in der Theorie. Den 120 mm-Lüfter auf Höhe des CPU-Duct können wir in diesem Schema leider nicht darstellen.

Die Reaktion der Computerindustrie lag in der Entwicklung des BTX-Standards, der durch eine andere Anordnung der Komponenten eine stärkere Trennung der thermischen Bereiche innerhalb des Gehäuses erreichen möchte. V.a. Intel hat diese Entwicklung vorangetrieben. Da sich dieser Standard aber noch lange nicht durchgesetzt hat und die meisten Mainboardhersteller nach wie vor auf den ATX-Faktor setzen, müssen die Gehäusehersteller ihre Konzepte entsprechend anpassen. Entweder entstehen dabei Gehäuse, die gewisse Features des BTX-Standards nutzen, ohne ATX dabei aufzugeben oder ein Gehäuse wird einfach nur mit Lüftern voll gepfropft, was wiederum in einem entsprechenden Geräuschpegel resultiert. Eine Zwischenlösung stellen die inzwischen recht verbreiteten Gehäusetypen dar, die versuchen, mit thermischen Zonen zu arbeiten. Zu letzterer Kategorie gehört das Pininfarina. Leitend ist dabei die Überlegung, die Bereiche, in denen sich Grafikkarte(n) und CPU befinden, jeweils separat zu belüften. Je nach Bauweise des Gehäuses funktioniert das mehr oder minder gut.

Das Spire setzt hinsichtlich des Kühlkonzeptes eher auf eine herkömmliche Anordnung der Lüfter, allerdings lassen sich eine ganze Menge davon im Gehäuse unterbringen. Frontseitig wird ein 120 mm-Lüfter mitgeliefert, daneben sitzt auf der rechten Seite in Höhe des oberen Festplattenkäfigs ein 80 mm-Lüfter, der eine seitliche Belüftung der Laufwerke ermöglichen soll. Darüber hinaus befindet sich ein saugender 80 mm-Lüfter auf der Rückseite sowie die Möglichkeit, links auf Höhe der Grafikkarte einen optionalen 80 mm-Lüfter in der Schiene zu montieren. Der CPU-Bereich ist standardmäßig mit einem Duct ausgestattet, unter den sich theoretisch ein 120 mm-Lüfter montieren lässt. Wir haben aus Platzgründen den Duct weggelassen und nur den optionalen Lüfter eingebaut. Schließlich wollen wir das Maximum an Kühlmöglichkeiten ausschöpfen. Ein Wermutstropfen ist die Tatsache, dass bei keinem der mitgelieferten Lüfter ein Staubfilter vorhanden ist. Diese muss man also aufwändig und auch nicht ganz preiswert nachrüsten.

Der 80 mm-Lüfter für die Grafikkarte ist in der seitlichen Schiene untergebracht.

Bei der Anordnung der optionalen Lüfter entschieden wir uns, den 80 mm-Lüfter in der linken Seite saugend und den 120 mm-Lüfter blasend zu montieren, da Warmluft bekanntlich nach oben steigt. Zudem wollten wir eine maximale Durchlüftung des CPU-Bereiches realisieren. Wir haben sämtliche Gehäuselüfter sowie Chipsatz- und CPU-Lüfter an eine Innovatek Fan-o-Matic Pro-Lüftersteuerung gehängt, um die Drehzahlen und damit den Geräuschpegel kontrollieren zu können. Zusätzlich bietet die Fan-o-Matic die Möglichkeit, einen oder alle Lüfter gezielt abzuschalten, wodurch sich Geräuschquellen sehr gut lokalisieren lassen. Das Ziel der Bemühungen war, sämtliche Lüfter auf möglichst niedrigen Drehzahlen laufen zu lassen, denn unser Testsystem ist kein reiner Spielerechner und somit ist auch die Lautstärke relevant. Ohnehin geht der Anspruch vieler Nutzer in genau diese Richtung. Wir haben die Lüfter soweit wie möglich gedrosselt und anschließend die Temperaturen nach einer gewissen Aufwärmzeit des Systems gemessen.

Unschön war, dass wir vor Beginn der Messungen einen Totalausfall zu vermelden hatten. Der hauseigene Spire-Lüfter auf der rechten Seite weigerte sich trotz 12 Volt-Startboost durch die Fan-o-Matic, seinen Dienst aufzunehmen. Mal rotierte er, mal nicht. Die Ursache war schnell gefunden: ein kapitaler Lagerschaden. Hier müssen wir wieder einmal auf unser bekanntes Stichwort Qualitätskontrolle verweisen. Nachdem wir den Spire-Lüfter gegen ein Modell von Noiseblocker getauscht hatten, konnten wir starten. Die Verkabelung derart vieler Lüfter ist natürlich nicht ganz einfach, lässt sich aber über entsprechende Molex-Y-Kabel relativ leicht realisieren. Zwingend ist hier allerdings eine Lüftersteuerung mit der entsprechenden Leistung auf den einzelnen Kanälen, denn die Mainboardanschlüsse sind mit der hier erforderlichen Wattzahl natürlich völlig überlastet. Erschwert wird ein derartiges Unterfangen zudem dadurch, dass die Hersteller meist Lüfter mit herkömmlichen 4-Pin-Anschlüssen ausliefern, die mittels Adaptern wiederum kompatibel zu den 3 Pin-Anschlüssen der meisten Lüftersteuerungen gemacht werden müssen. Das ist ärgerlich, denn es bringt wenig, alle Lüfter an das Netzteil anzuschließen, denn dann laufen diese meist permanent mit 12 Volt. Somit werden sämtliche Bemühungen, einen leisen Betrieb zu ermöglichen, von vorne herein unterlaufen. Dass das besser geht, hat Lian Li gezeigt, denn hier waren alle mitgelieferten Lüfter zusätzlich mit einem 3-Pin-Adapter ausgestattet. Eine derartige Maßnahme kostet den Hersteller wenige Cent und erspart dem Kunden eine Menge Nachrüstarbeit.

Geregelt: Alle Lüfter wurden mit der Fan-o-Matic Pro gedrosselt.

Ungeachtet dessen ließen sich die Spire-Lüfter sauber drosseln und auch die 80 mm-Modelle arbeiteten noch bei 7 Volt und 800 Umdrehungen problemlos, wie der Screenshot der Fan-o-Matic zeigt. Mit Abstand am lautesten war der Zalman CPU-Kühler. Der CNPS 9500 rotierte auch im Silent-Mode noch mit 1600 Umdrehungen – und das bei 6 Volt. Weiter drosseln ließ er sich nicht, denn unterhalb 6 Volt schaltete er einfach ab. Dennoch blieb der Gesamtpegel des Systems jederzeit im erträglichen Bereich und man hielt es vor dem Rechner einige Stunden problemlos aus. Die massive Front des Spire schluckt zwar einiges an Schall, aber für einen wirklichen Silent-Betrieb ist die Nachrüstung von Dämmmatten zwingend. Hier war das Lian Li insgesamt etwas leiser, auch wenn man beim Spire das Problem durch einen leiseren CPU-Kühler entschärfen kann. Allerdings müssen wir genaue dB-Messungen auch diesmal leider schuldig bleiben, denn ein entsprechend genaues Messgerät steht uns derzeit noch nicht zur Verfügung.

Das Fazit an dieser Stelle: Spire setzt zwar auf eine herkömmliche Anordnung der Lüfter, aber das Kühlkonzept funktioniert im Idle-Betrieb bei erträglicher Geräuschkulisse zufrieden stellend. Lediglich die Grafikkartentemperatur unter Last fällt eindeutig zu hoch aus. Hier wäre zu prüfen, ob eine umgekehrte Anordnung des Lüfters ihren Zweck besser erfüllt. Insgesamt genügt das Kühlsystem jedoch, um auch aktuelle Komponenten ausreichen zu kühlen. Die Ergebnisse der Messungen finden Sie auf der folgenden Seite.


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