Neues Oxyd: Luftkühlung bald Vergangenheit?


Erschienen: 29.03.2006, 13:00 Uhr, Quelle: FAZ, Autor: Andreas Venturini

Britische Materialwissenschaftler haben einen Werkstoff entdeckt, der sich stark abkühlt, wenn man eine daran angelegte elektrische Spannung entsprechend variiert. Somit könnten schon in naher Zukunft Ventilatoren durch eine effektivere Kühlmöglichkeit abgelöst werden. Doch nicht nur kühlere Chips sollen die Folge der neuen Technologie sein - auch der Platzbedarf und das Surren der Lüfter würde der Vergangenheit angehören.

Bei dem Material, das diesen elektrokalorischen Effekt aufweist, handelt es sich um ein Oxyd aus Blei, Zirkonium und Titan. Wie die Forscher um Alex Mischenko von der University of Cambridge in der Zeitschrift "Science" (Bd.311, S.1270) berichten, kühlt sich ein dünner Film des Mischoxyds um nahezu einen halben Grad ab, wenn man die angelegte Spannung um ein Volt verändert. Ein Hemmnis, das die Anwendung noch verhindert: Das Mischoxyd muß in einer besonderen molekularen Struktur vorliegen, damit es den Kühleffekt aufweist. Und das ist erst bei einer Temperatur von 220 Grad der Fall.

Das Oxyd ist bereits für das umgekehrte Phänomen bekannt, den pyroelektrischen Effekt. Dabei reagiert das Material auf Temperaturschwankungen mit meßbaren Spannungsänderungen. Dieser Effekt wird beispielsweise in empfindlichen Infrarot-Detektoren genutzt. Welcher Mechanismus dem Kühleffekt zugrunde liegt, ist den Forschern zwar noch nicht ganz klar. Sie sehen aber bereits mehrere Möglichkeiten, die Temperatur, bei der der elektrokalorische Effekt auftritt, so stark abzusenken, daß das Material eine Anwendung findet. Dazu wollen Mischenko und seine Kollegen andere Metalle wie Zinn oder Strontium in das Material einbringen und gleichzeitig die Kristallstruktur des Materials optimieren. Gelänge das, könnte sich das Mischoxyd tatsächlich für eine effektive, geräuschlose und platzsparende Prozessorkühlung eignen.

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Kommentare (6)Zum Thread »

1) Yidaki (29.03.2006, 14:58 Uhr)
Die Produktion ist sicher teuer, da das Mischoxyd in einer besonderen molekularen Struktur vorliegen muss. Mal sehen, was daraus wird.


Yidaki
2) Warhead (29.03.2006, 22:15 Uhr)
jo...wird aber sicher wieder nur sowas wie die ablösung der festplatten von tesafilm, die ja auch "vor kurzem" angekündigt wurde, wenn du verstehst was ich damit sagen will Augenzwinkern
3) Madcatoo (30.03.2006, 00:38 Uhr)
An den Tesa musst ich daletzt erst denken Augenzwinkern und geiles Bild! *lol*
4) Deeival (30.03.2006, 04:35 Uhr)
In 10 Jahren vielleicht...

Aber bis dahin wurden dann schon Chips ohne Waermeabgabe erfunden (oder PCs werden direkt in die Wohnungsheizung integriert Augenzwinkern )
5) Gast (30.03.2006, 16:55 Uhr)
Selbst wenn das mal funktioniert ist das wohl etwa so ernst zu nehmen wie Peltier-Elemente. Die gibts schon lange, aber die bringen mehr Probleme als sie lösen.
6) ventu (30.03.2006, 17:13 Uhr)
In erster Linie geht es ja auch darum, dass man zeigt, was alles möglich ist. Und wenn nachher von 5 neuen Technologien nur eine dabei ist, die dann später Anwendung findet. So kommt man meistens eben auf neue Ideen...
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